Regionaler Ausbildungskonsens für den Kreis Unna:
Staatssekretär empfiehlt Koordinierung aller Angebote vor Ort
Unna, 16. Mai 2011
Die Wirtschaft im Kreis Unna sieht schon den Nachwuchsmangel, trotzdem bleiben hunderte von Jugendlichen ohne Ausbildungsstelle und Berufsabschluss. Zu einem neuen regionalen Ausbildungskonsens aller Beteiligten riet Dr. Wilhelm Schäffer, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes, bei einem Fachgespräch, zu dem der örtliche Landtagsabgeordnete Wolfram Kuschke am 11. Mai in die „Werkstatt“ eingeladen hatte. Das "bunte Durcheinander" der Angebote und Maßnahmen müsse neu gebündelt und nach Möglichkeit vom Kreis gesteuert werden: "Sie haben eine Kommunale Koordinationsverantwortung", sagte Dr. Schäffer.
Das Land werde eine solche Initiative unterstützen. Der schwierige Übergang Schule in den Beruf war Thema in der Runde, in der die Geschäftsführer des Jobcenters, der Agentur für Arbeit, die Fachbereichsleiter des Kreis-Schulamtes und Kreis-Sozialamtes mit dem Vizelandrat Martin Wiggermann, dem SPD-Kreissozialpolitiker Hartmut Ganzke und dem Geschäftsführer der Werkstatt im Kreis Unna, Herbert Dörmann, sowie der Werkstatt-Vorsitzenden Heike Gutzmerow diskutierten. Die Runde war sich mit Herbert Dörmann einig, der die Probleme skizzierte: 75 Prozent der Jugendlichen, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind, haben keinen Berufsabschluss, an Gesamt- und Hauptschulen im Kreis findet gerade mal jede/r 3. Jugendliche einen Ausbildungsplatz, 65 Prozent gehen in Warteschleifen oder schlagen sich ohne Job und Abschluss durchs Leben.
Von einem ausreichenden Ausbildungsplatzangebot kann nicht die Rede sein: Während rechnerisch in Münster auf jeden Lehrstellenbewerber 1,3 Stellen kommen, ist es im Kreis nicht mal eine halbe. Die Berufsorientierung schon in der Schule zu verstärken und anschließend klare Übergänge und Hilfen zu schaffen, dafür plädierte der Werkstatt-Geschäftsführer: "Kein Abgang ohne Anschluss" müsse das Motto sein. Jedem ausbildungsfähigen Jugendlichen müsse eine Ausbildung garantiert werden. Dazu werde ein eigenes Ausbildungsprogramm des Landes benötigt.
Der Staatssekretär stimmte zu: Im Juni, das hätten Arbeits- und Schulministerium mit der Wirtschaft und allen beteiligten Akteuren vereinbart, soll in NRW ein neuer Ausbildungskonsens vereinbart werden. Die Eckpunkte: In den Schulen soll es bereits ab Klasse 8 für jede/n Schüler/in eine genaue Analyse der Fähigkeiten und Fertigkeiten geben, dazu eine Berufsorientierung in mindestens drei Berufsfeldern, die mit Praktika verbunden sind. Anschließen sollen sich klare Wege in den Beruf - für möglichst viele Jugendliche direkt in eine betriebliche Ausbildung bzw. nach dem Abi zum Studium. Für Jugendliche, die keine Lehrstelle finden, sollen die Berufskollegs vollzeitschulische Ausbildungsgänge mit hohen Praxisanteilen bieten.
Außerbetriebliche Angebote und Hilfen für schwächere Schüler/innen sollen das System ergänzen. Dieses neue System brauche allerdings unverzichtbar die Steuerung vor Ort: "Wir brauchen die kommunale Koordinierung - dafür werden wir auch Ressourcen zur Verfügung stellen", ermunterte der Staatssekretär die Experten im Kreis Unna. Und fand sofort Zustimmung: "Seit Jahren wünsche ich mir das als Lehrer", sagte der Vizelandrat Martin Wiggermann: "Das Übergangsmanagement ist doch bisher eine Vielfalt mit Schrecken". "Die Koordination muss beim Kreis Unna liegen", betonte Harald Küst, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamm. Er sah dabei auch Handlungsbedarf bei der Nürnberger Agentur-Zentrale: "Der Kreis Unna braucht einen höheren Anteil an Ressourcen als etwa Düsseldorf." Diese Forderung unterstützten auch Uwe Ringelsiep und Thomas Neuhaus von der Geschäftsführung des Jobcenters Kreis Unna: "Wir müssen dabei die Spielräume zum Handeln haben." Die aktuelle Politik der Bundesarbeitsministerin und der Bundesagentur führe dazu, dass er bald keinem jugendlichen Arbeitslosen mehr sofort ein sinnvolles Angebot machen könne, kritisierte Neuhaus: "Besonders bedroht sind die Produktionsschulen im Kreis Unna, die mit Landeshilfe aufgebaut wurden.“
Der Staatssekretär forderte die Runde auf, diese Debatte auch in Richtung der Bundespolitik "offensiv zu führen". Denn allein könne das Land die Probleme auch nicht lösen. Zunächst soll jetzt die Diskussion in der Region geschärft werden. "Eine Präzisierung der Chancen und Möglichkeiten eines Büros Schule-Beruf auf Kreisebene" will Wolfram Kuschke anstoßen. Hartmut Ganzke und Martin Wiggermann werden das Thema Ende Mai in einen Arbeitskreis Soziales der SPD tragen und am 15. Juni im Schulausschuss einbringen.
Das Bild zeigt die Teilnehmer am Fachgespräch (v.l.):
Heike Gutzmerow, Herbert Dörmann, Hartmut Ganzke, Wolfram Kuschke, Martin Wiggermann, Dr. Wilhelm Schäffer, Norbert Diekmännken, Harald Küst, Thomas Neuhaus, Uwe Ringelsiep, Walter Marsiske und Wulf Erdmann.
Die Wirtschaft im Kreis Unna sieht schon den Nachwuchsmangel, trotzdem bleiben hunderte von Jugendlichen ohne Ausbildungsstelle und Berufsabschluss. Zu einem neuen regionalen Ausbildungskonsens aller Beteiligten riet Dr. Wilhelm Schäffer, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes, bei einem Fachgespräch, zu dem der örtliche Landtagsabgeordnete Wolfram Kuschke am 11. Mai in die „Werkstatt“ eingeladen hatte. Das "bunte Durcheinander" der Angebote und Maßnahmen müsse neu gebündelt und nach Möglichkeit vom Kreis gesteuert werden: "Sie haben eine Kommunale Koordinationsverantwortung", sagte Dr. Schäffer.Das Land werde eine solche Initiative unterstützen. Der schwierige Übergang Schule in den Beruf war Thema in der Runde, in der die Geschäftsführer des Jobcenters, der Agentur für Arbeit, die Fachbereichsleiter des Kreis-Schulamtes und Kreis-Sozialamtes mit dem Vizelandrat Martin Wiggermann, dem SPD-Kreissozialpolitiker Hartmut Ganzke und dem Geschäftsführer der Werkstatt im Kreis Unna, Herbert Dörmann, sowie der Werkstatt-Vorsitzenden Heike Gutzmerow diskutierten. Die Runde war sich mit Herbert Dörmann einig, der die Probleme skizzierte: 75 Prozent der Jugendlichen, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind, haben keinen Berufsabschluss, an Gesamt- und Hauptschulen im Kreis findet gerade mal jede/r 3. Jugendliche einen Ausbildungsplatz, 65 Prozent gehen in Warteschleifen oder schlagen sich ohne Job und Abschluss durchs Leben.
Von einem ausreichenden Ausbildungsplatzangebot kann nicht die Rede sein: Während rechnerisch in Münster auf jeden Lehrstellenbewerber 1,3 Stellen kommen, ist es im Kreis nicht mal eine halbe. Die Berufsorientierung schon in der Schule zu verstärken und anschließend klare Übergänge und Hilfen zu schaffen, dafür plädierte der Werkstatt-Geschäftsführer: "Kein Abgang ohne Anschluss" müsse das Motto sein. Jedem ausbildungsfähigen Jugendlichen müsse eine Ausbildung garantiert werden. Dazu werde ein eigenes Ausbildungsprogramm des Landes benötigt.
Der Staatssekretär stimmte zu: Im Juni, das hätten Arbeits- und Schulministerium mit der Wirtschaft und allen beteiligten Akteuren vereinbart, soll in NRW ein neuer Ausbildungskonsens vereinbart werden. Die Eckpunkte: In den Schulen soll es bereits ab Klasse 8 für jede/n Schüler/in eine genaue Analyse der Fähigkeiten und Fertigkeiten geben, dazu eine Berufsorientierung in mindestens drei Berufsfeldern, die mit Praktika verbunden sind. Anschließen sollen sich klare Wege in den Beruf - für möglichst viele Jugendliche direkt in eine betriebliche Ausbildung bzw. nach dem Abi zum Studium. Für Jugendliche, die keine Lehrstelle finden, sollen die Berufskollegs vollzeitschulische Ausbildungsgänge mit hohen Praxisanteilen bieten.
Außerbetriebliche Angebote und Hilfen für schwächere Schüler/innen sollen das System ergänzen. Dieses neue System brauche allerdings unverzichtbar die Steuerung vor Ort: "Wir brauchen die kommunale Koordinierung - dafür werden wir auch Ressourcen zur Verfügung stellen", ermunterte der Staatssekretär die Experten im Kreis Unna. Und fand sofort Zustimmung: "Seit Jahren wünsche ich mir das als Lehrer", sagte der Vizelandrat Martin Wiggermann: "Das Übergangsmanagement ist doch bisher eine Vielfalt mit Schrecken". "Die Koordination muss beim Kreis Unna liegen", betonte Harald Küst, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamm. Er sah dabei auch Handlungsbedarf bei der Nürnberger Agentur-Zentrale: "Der Kreis Unna braucht einen höheren Anteil an Ressourcen als etwa Düsseldorf." Diese Forderung unterstützten auch Uwe Ringelsiep und Thomas Neuhaus von der Geschäftsführung des Jobcenters Kreis Unna: "Wir müssen dabei die Spielräume zum Handeln haben." Die aktuelle Politik der Bundesarbeitsministerin und der Bundesagentur führe dazu, dass er bald keinem jugendlichen Arbeitslosen mehr sofort ein sinnvolles Angebot machen könne, kritisierte Neuhaus: "Besonders bedroht sind die Produktionsschulen im Kreis Unna, die mit Landeshilfe aufgebaut wurden.“
Der Staatssekretär forderte die Runde auf, diese Debatte auch in Richtung der Bundespolitik "offensiv zu führen". Denn allein könne das Land die Probleme auch nicht lösen. Zunächst soll jetzt die Diskussion in der Region geschärft werden. "Eine Präzisierung der Chancen und Möglichkeiten eines Büros Schule-Beruf auf Kreisebene" will Wolfram Kuschke anstoßen. Hartmut Ganzke und Martin Wiggermann werden das Thema Ende Mai in einen Arbeitskreis Soziales der SPD tragen und am 15. Juni im Schulausschuss einbringen.
Das Bild zeigt die Teilnehmer am Fachgespräch (v.l.):
Heike Gutzmerow, Herbert Dörmann, Hartmut Ganzke, Wolfram Kuschke, Martin Wiggermann, Dr. Wilhelm Schäffer, Norbert Diekmännken, Harald Küst, Thomas Neuhaus, Uwe Ringelsiep, Walter Marsiske und Wulf Erdmann.






